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Mein Bild der Welt (2012)

Vorwort

Dimensionen

Evolution

Entwicklung des homo sapiens

Stufen des Zuammenlebens

Anhang

Anhang A1.1: Wahrnehmung von Raum und Zeit

Anhang A1.2: Bibel und Wissenschaft

Anhang A1.3: Adam und Eva (Versuch einer Deutung)

Anhang A1.4: Die Wirtschaftsleistung pro Kopf und Jahr, das SBIP (=spezifische Bruttoinlandsprodukt) steuert alle  Lebensumstände.

Anhang A 1.5  Gesamt-Erleben


Vorwort

Mit zunehmendem Unbehagen merke ich, dass sich mein Bild der Welt immer mehr von der medialen Meinung unterscheidet. Vielleicht finde ich ein paar Leidensgenossen, denen es auch so geht. Sie könnten mir zustimmen oder widersprechen. Für beides bin ich dankbar.

Wenn wir diskutieren wollen, brauchen wir eine Meinungsbasis:

  1. Menschen dürfen sich vermehren, wie alle anderen biologischen Arten auch,  so viele Kinder haben wie sie wollen.
  2. Durch die Vermehrung einer Art werden andere Arten aus ihrem Lebensraum verdrängt. (Die biologische Art Mensch ist die erste, die dabei auf den Fortbestand anderer Arten Rücksicht nimmt.)
  3. Es herrscht Wettbewerb: die tüchtigere Art setzt sich durch. (survivel of the fittest)
  4. Es ist wichtig, dass die Evolution weiter geht,  dass die „Schöpfung Gottes sich verändert.“
  5. Wirtschaft und Handel bestimmen das Zusamenleben der Menschen.
  6. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf, das SBIP [$/c.a]  bestimmt alle Lebensumstände.
  7. Eine steigende Wirtschaftsleistung ist an zu streben, weil damit die Zahl der Geburten pro Frau sinkt und alle Lebensumstände verbessert werden,
  8. Rohstoffe und Energie dürfen genutzt werden, solange ein Mangel für zukünftige Generationen mit großer Wahrscheinlichkeit aus zu schließen ist.

Die Natur bietet alles in unerschöpflichem Überfluss, aber nichts umsonst.

a)      Es gibt genug Rohstoffe für alle Menschen und alle zukünftigen Generationen. Rohstoffe werden nicht verbraucht, sondern aus dem natürlichen Kreislauf zur fortwährenden Verwendung in den technischen Kreislauf gebracht. Die Erde wird nicht geplündert, alles bleibt im Kreislauf. Es gibt immer eine Alternative.

b)      Es gibt genug Wasser für alle Menschen und alle Zukunft. Freilich nicht umsonst. Wir müssen Wasser sammeln, leiten und notfalls aus Salzwasser gewinnen. Oder unseren Wohnort dahin verlegen, wo es genügend Wasser gibt.

c)      Es gibt genug Energie für alle Menschen und bis zum Ende des Sonnensystems. Die Sonne strahlt sehr viel mehr Energie auf die Erde als wir brauchen. Und die Erde strahlt alle Energie wieder zurück ins All. Wir schalten uns nur in den Umwandlungsprozess von Licht in Wärme ein, von kurzwelliger Strahlung in langwellige. Ob wir viel oder wenig Energie „verbrauchen“ ändert daran gar nichts. Das Gebot Energie zu sparen, ist vorwiegend wirtschaftlich zu verstehen. Allerdings müssen wir die Solarstrahlung in die brauchbare Form bringen. Das kostet Arbeit. Deshalb hat Energie ihren Preis.

Die große Zahl der Menschen verdrängt andere biologische Arten aus ihrem Lebensraum . Die Menschen brauchen heute etwa 2 Milliarden ha Lebensraum für Ernährung, Energieproduktion, Wohn-, Arbeits- und Verkehrsflächen, das sind rund 0.285 ha=2850 m² pro Kopf, eine Fläche von 53.5 x 53.5 m. 2 Mrd ha sind 3.9 % der Erdoberfläche oder 13.3 % der Festlandfläche, 23 % der fruchtbaren Fläche. Die von dort verdrängten Arten müssen mit dem für sie verringerten Lebensraum auskommen. Allerdings bietet auch der von den Menschen genutzte Raum neuen Lebensraum für andere Arten, für Kulturfolger.

1)  Ob sich Rohstoffe (ohne Energieträger wie Kohle, Öl, Gas)  im Boden (im Kreislauf der Natur) oder im technischen Kreislauf befinden, ist gleichgültig.

2) Die Erde wird für jeden der 7 Milliarden Menschen  mit 25 000 kW durchflutet. Ob wir „Energie verbrauchen“ oder nicht, ändert daran gar nichts.

3) Seit es die Erde gibt verändert sie sich unablässig durch Einflüsse von außen (Strahlung, einschlagende Himmelskörper) und innen (Vulkane, Beben). Auch das Leben verändert die Erdoberfläche: ohne Leben wäre die Erdoberfläche nicht grün und der Himmel nicht blau.

Seit 10 000 Jahren greift der Mensch bewusst in diese Veränderung ein  ( = biblische Sündenfall?). Weil wir das Ziel der Evolution nicht kennen, wissen wir nicht, wie wir uns verhalten sollen. Ist gar kein bewusster Eingriff in die Evolution erlaubt oder dürfen wir selbst gesetzte Ziele anstreben?   ( z.B.: eine möglichst große Zahl von Menschen, den größtmöglichen Wohlstand, eine hohe Lebenserwartung, größtmögliches Erleben, die Eroberung des Alls, die größtmögliche biologische Vielfalt, Entfaltung von Kunst und Wissenschaft oder  was sonst?)

4) Askese aus eigenem Entschluss zu üben ist lobenswert. Sie anderen aufzwingen ist nicht Askese sondern Strafe.

Wie lange wird es noch dauern, bis "das Volk" gegen die sinnlose Verteuerung des Lebens revoltiert? Was bewirken die steigenden Strompreise eigentlich? Was die Phantastereien von Windkraft und Photovoltaik?

Wann hören wir mit dem Geschwafel von Ressourcenerschöpfung und Klimakatastrophe auf, mit den sinnlosen "Weltgipfeln", die nur utopische Ziele setzen ohne einen einzigen sinnvollen Plan zu entwickeln? Es nutzt doch offenbar nichts, die Menschen zum Verzicht auf den gefundenen Lebensstil aufzufordern, wenn es genug Rohstoffe und Energie für das bessere Leben gibt.

Uns muss klar werden, dass die noch weiter steigende Zahl der Menschen Lebensraum besetzt, den davor andere biologische Arten inne hatten. Durch Nutzen der fossilen Energie verdecken wir den notwendigen Anspruch auf Lebensraum. Wir brauchen einen ernsthaften Plan, wie die Menschen nachhaltig in dem Lebensstil leben können, den sie wollen und der möglich ist. Natürlich werden wir nicht nur auf Artenvielfalt,  sondern auch auf die weitere Evolution der Arten achten. Aber 10 Milliarden Menschen in der entwickelten Lebensform (Frieden und Freiheit, hohe Lebenserwartung, reichliche Versorgung mit Lebensmittel, angemessene Verteilung des verfügbaren Einkommens, Erlebnisraum) brauchen mehr Lebensraum als 10 Millionen in einer viel tieferen Kulturstufe, die ohne Eingriff in die Natur möglich wären.


Ich will versuchen, Begründungen für die vorstehend geäußerte Meinung zu geben. Überschlagen Sie die Themen, die Sie akzeptieren können.


Dimensionen

Uns ist die Vorstellung eines dreidimensionalen Raumes und eines unumkehrbaren Zeitfortschritts angeboren. Die Wissenschaft sagt uns, dass Raum und Zeit nicht unbegrenzt sind. (Siehe Anhang A1.1)  Bibel und Wissenschaft (siehe Anhang A 1.2 und A 1.3)

Nach dem Stand der Wissenschaft haben sich unsere Vorfahren vor 7 Millionen Jahren von den Vorfahren der Schimpansen getrennt. Sie sind von den Bäumen herabgestiegen, an den Waldrand gezogen und haben versucht aus der Steppe zu leben  www:Josef Reichholf. (Professor Josef Reichholfs Publikationen sind höchst lesenswert.) Seit 2 Millionen Jahren haben sie Werkzeug angefertigt, seit 0.7 Millionen Jahre das Feuer genutzt. - Immer wieder sind sie aus ihrer ostafrikanischen Heimat in alle Welt gezogen, von einem ziemlich warmen Klima in kältere Gegenden, an die sie sich erst genetisch anpassen mussten (nicht nur Haut- und Haarfarbe).  Sie haben wie ihre tierischen Vorfahren in der aneignenden Wirtschaftsform gelebt, von dem gelebt, was ihnen die unbeeinflusste Natur geboten hat. Ohne Arbeit zwar, aber nicht sorglos. Denn das Nahrungsangebot war knapp. Friedlich haben weder sie noch die Tiere untereinander gelebt.

Ihr Zusammenleben in relativ kleinen Gruppen haben zu einer besonderen Ausbildung der Sexualität geführt: die Mutter konnte den Vater an sich binden, damit dieser mit ihr an der Aufzucht seiner Kinder wirken konnte. Was konnte in dieser Situation sündhaft sein? Die Sexualität sicher nicht, auch nicht das Essen giftiger Pflanzen, denn darüber hatten sie viel Wissen erworben. Ich meine, es war die Erfindung von Landwirtschaft und Viehzucht. Sie war der bewusste Eingriff in die Natur, den viele heute noch als ungut, als „sündhaft“,  empfinden. Der Fluch Gottes, dass die Menschen im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot verdienen müssen, ist ein klarer Hinweis darauf. Die Verstoßung aus dem Paradies, aus dem Nicht-arbeiten-müssen in die Plagen des Alltags. Warum haben unsere Vorfahren das getan? Weil nachher viel mehr Menschen auf der gleichen Fläche leben konnten, weil sie fest siedeln konnten, Vorräte anlegen. Ein Versuch, den Text der Bibel nachzuvollziehen: Anhang A1.3.

Die Geschichte gibt dem neuen Leben recht: nach der Neolithischen Revolution konnten 1000mal so viele Menschen vom gleichen Stück Land leben, wie davor in der aneignenden Wirtschaftsform, 10 Milliarden statt 10 Millionen. Die Menschen, die sich nicht umstellen wollten, die nicht arbeiten wollten, wurden immer weiter zurückgedrängt. Obwohl sie bis heute nicht begriffen haben, dass wir nach Adams Entscheidung keine Wahl mehr haben: wir müssen das, was wir zum Leben brauchen, selbst produzieren, erarbeiten. Besonders deutlich wird es beim Wasser: Viele glauben, dass es ein Recht auf den unentgeltlichen Bezug von Wasser gibt. Sie vergessen, dass Wasser schon seit langem gefasst, gespeichert, geleitet werden muss, was mit Arbeit verbunden ist. Diese Arbeit wollen sie nicht leisten, sie lassen sie andere machen, wollen aber in den freien Genuss kommen. – Ein anderes Beispiel ist die Hochseefischerei: dort verhalten wir uns heute noch so wie bei Landfrüchten vor 10 000 Jahren. Wir wollen anscheinend nicht verstehen, dass es eine „Seewirtschaft“ geben muss, so wie eine Landwirtschaft notwendig ist. Wir können nicht fortwährend ernten, wir müssen auch säen und pflegen um Nachhaltigkeit zu erreichen. Bedauerlicherweise meinen gerade die, die dauernd von Nachhaltigkeit reden, dass „Eingriffe in die Natur“ schädlich seien.

Die Frage „Ist es erlaubt in die Natur einzugreifen?“ ist seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ zur täglichen Frage geworden. Ein Teil der Menschheit meint immer noch, Eingriffe in die Natur seien frevelhaft, würde letztlich zur Katastrophe führen. Sie wollen nicht einsehen, dass Landwirtschaft nötig ist um 7 Mrd Menschen zu ernähren, statt der 10 Mio, die mit dem „natürlichen“ Nahrungsangebot auskommen. Der andere Teil sieht den Überfluss, den die Erde der Menschheit bietet, sieht, dass „wirtschaften“ (= eingreifen in die Natur) alle Lebensumstände verbessert.


Evolution

Wenn es kein Leben gäbe, wäre die Erdoberfläche wüst und leer wie die Oberfläche der Nachbarplaneten. Es gäbe kein grünes Land, keinen blauen Himmel (weil der Sauerstoff fehlt). Das Leben entstand vor 4 Milliarden Jahren und hat auch bald die Photosynthese erfunden, bei der zunächst Kohlenstoff abgelagert und Sauerstoff freigesetzt wird. Dieser hat zunächst die Oberflächenmetalle oxidiert und Säuren gebildet. Nur 4 % des bisher erzeugten Sauerstoffs sind in der Atmosphäre und im Wasser verblieben. Der Sauerstoff der Atmosphäre hat vor 500 Millionen Jahren die Ozonschicht gebildet, die es dem Leben erlaubt „an Land“ zu gehen. Die Landpflanzen haben beträchtlich zur Sauerstofffreisetzung und CO2-Bindung beigetragen und so allmählich den 20 % Kohlendioxidanteil der Atmosphäre durch einen 20 %-gen Sauerstoffanteil ersetzt.

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Bild 1.1: Über einer logarithmischen Zeitskala ist der Verlauf von CO2, O2 und Temperatur aufgetragen. Außerdem sind Ereignisse zur Entwicklung des Menschen angegeben.

Über der logarithmisch aufgetragenen Zeit lässt sich die Evolution von Anfang an verfolgen. Vor 15 Milliarden Jahren der Urknall, die Entstehung von Raum und Zeit. Vor 4.6 Milliarden entsteht das Sonnensystem, bald das Leben, die Photosynthese (= die CO2 Aufnahme und O2 Abgabe), was dazu führt, dass seit 500 Millionen Jahren CO2 und O2 die Plätze getauscht haben. CO2 wird zum Spurengas, das immer weiter, bis auf 0.02 % =200 ppm, abnimmt. Vielleicht ist das der Auslöser für die Eiszeiten: die Pflanzen wachsen üppig, bis fast alles CO2 aus der Atmosphäre verschwunden ist. Nun wird es kalt. Ein Eispanzer deckt große bewachsene Flächen, deckt den angesammelten Kohlenstoff zu. Es entsteht eine länger dauernde Eiszeit. Erst nachdem sich der Kohlenstoff allmählich frei macht, steigt der CO2-Pegel, es wird wieder wärmer und das Spiel beginnt von neuem. – So erklärt sich der Gang der Temperatur. Vor 500 Millionen Jahren war es warm, 18 °C. Die Temperatur nimmt bis 10 °C ab um dann im Rhythmus der Eiszeiten zwischen 11 und 16 °C zu schwanken. Zu Beginn der Industriellen Revolution (1750) liegt sie bei 14 °C. – Die biologische Evolution folgt dem Klima: nach den Katastrophen vor 220 und 65 Millionen Jahren entstehen vor 35 Millionen die Primaten, unser Vorfahren trennen sich vor 7 Millionen Jahren von den Vorfahren der Schimpansen, seit 2 Millionen gibt es die Art Mensch, seit 120 000 Jahren den homo sapiens, nachdem zahlreiche Nebenäste ausgestorben sind. Vor 55 000 Jahren werden Pfeil und Bogen erfunden, seit 40 000 symbolische Artefakte (Grabbeigaben, Bilder, Bauten) gesetzt. Vor 10 000 Jahren findet die Neolithische Revolution statt, die Erfindung von Ackerbau und Viehzucht. Vor 6000 Jahren werden Rad und Wagen erfunden, seit 2200 Jahren Wind- und Wasserkraft genutzt und seit 250 Jahren endlich die Wärmekraftmaschine, die zusammen mit dem Elektromotor dem Menschen die physische Arbeit abnimmt, den Fluch, der seit 10 000 Jahren auf der Menschheit lastet, mildert. Die geistigen Anstrengungen allerdings nehmen in einer immer komplizierter werdenden Welt zu. „Die Menschen sind am Ende des Tages nicht mehr müde, aber fertig“. (Dr. Franz Führer, Pfarrer von Wolkersdorf)

Der Zusammenhang zwischen Klima und Wohlergehen besteht aber fort. Am Ende der letzten Eiszeit ist es zunächst wärmer geworden (16 statt 11 °C), aber seit 8000 Jahren wird es wieder kälter. Nicht kontinuierlich sondern aus astronomischen Gründen und mit der Sonnenaktivität schwankend. Wir stellen fest, dass seither die Zeiten des Wohlstands mit den höheren, die Zeiten des Niedergangs mit den niedereren Temperaturen zusammenfallen.  Vor 7000 und 5500 Jahren  entstanden die Monolithkulturen, die wir auf Malta und viele anderen Orten bewundern können (Stonhenge), vor 3000 Jahren beginnt die ägyptische Hochkultur, vor 2500 Jahren in Ägypten das „Neue Reich“, die Blüte Salomons und der Königin von Saba, vor 2000 Jahren das Augustinische Zeitalter, vor 1200 Jahren blüht die  fränkische Kultur, die Kultur der Abessiden (Harun al Raschids Nachfolger, Avicenna, al Choresmi), China wird zum ersten Mal vereinigt.  Aber alle Hochkulturen verschwinden wieder: die Völkerwanderung zerstört das römische Reich, das finstere Mittelalter folgt. Alles im Einklang mit der Temperatur. Es ist ja logisch, dass ein Temperatureinbruch, gefolgt von Missernten und Hungersnot, zur Unruhe im Volk führt, Wanderungsbewegung auslöst.                                                    .

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Bild 1.2: Über einem lineraren Zeitmaßstab  ist der Gang der globalen Temperatur, des Meeresspiegels (N.N.) und des CO2-Pegels aufgetragen. Die Temperaturschwankungen stehen offenbar in einem Zusammenhang mit den kulturellen Blüten und Niedergängen.

Seit der letzten Eiszeit ist der Meeresspiegel um 150 m gestiegen, durchschnittlich um 1.5 cm pro Jahr. Der CO2-Pegel war bis vor 250 Jahren fast konstant, ist aber seither von 280 auf 380 ppm gestiegen. Ursache ist eindeutig die Verbrennung fossiler Energieträger, die abgelagerten Kohlenstoff zurück in die Atmosphäre bringt.  Dieser Prozess überlagert sich den Schwankungen, die es auch zuvor gegeben hat und immer geben wird. Eine Prognose über zukünftige Werte ist daher sehr schwierig. Sie wird trotzdem gewagt und gleich zur Klimakatastrophe hochstilisiert. 2 °C soll es in einem überschaubaren Zeitraum wärmer werden, und der Meeresspiegel soll um einige Meter steigen. Wäre das so schlimm? Das Meer ist in den letzten Jahrtausenden viel höher gestiegen und die Photosynthese hat ihren optimalen Bereich zwischen 1000 und 10000 ppm CO2. Ist das nicht von Vorteil? Der größere Photosyntheseumsatz sicher. Der steigende Meeresspiegel muss zu Wanderbewegungen führen, die vorzubereiten sind. Von Bangladesh nach Sibirien? – Viele Behauptungen zur nahen Katastrophe sind kurzsichtig. Vor 6200 Jahren war es z.B. wärmer als heute, wo „die Eisbären aussterben“.  Wo waren sie eigentlich bei der letzten Warmzeit, vor 6200 Jahren?

Wir können den CO2-Pegel nicht beliebig erhöhen, müssen langfristig aufhören fossilen Kohlenstoff freizusetzen, aber eine Beschleunigung des Ausstiegs ist schwierig, weil sie zu billig sind. Wir brauchen andere, wettbewerbsfähige  Energieträger

Entwicklung des homo sapiens

Die letzten 40 Millionen Jahre im logarithmischen Zeitmaß zeigen die immer wieder die vom Verschwinden von Arten gekennzeichnete Entwicklung des Menschen, Bild 1.3.

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Bild 1.3: Seit 35 Millionen Jahren gibt es Primaten. Seit 7 Millionen Jahren haben sich die Vorfahren des Menschen von den Vorfahren der Schimpansen getrennt. Auf eine fortwährende Verzweigung folgt das Aussterben mit Ausnahme des homo sapiens. (Nach Reichholf) - Nach unten ist die Entwicklung der Affen angedeutet, nach oben die des homo sapiens. Nach heutigem Wissensstand hat sich die Entwicklung in Ostafrika ereignet. Die Australopithecus-Arten haben sich vom nächsten Verwandten, dem Schimpansen, abgetrennt, in deutlich unterscheidbaren Arten aufgeteilt, die aber alle wieder ausgestorben sind. Vor 2 Millionen Jahren entstanden die Arten homo habilis und homo erectus. H.habilis ist bald ausgestorben.

Vor 220 000 Jahren hat sich die Art h. sapiens  vom  h. neandertalensis getrennt, die vor 35 000 Jahren ausgestorben ist. Vor 150 000 Jahren hat sich die Entwicklung mit der „Eva der Mitochondrien“ aufgespaltet und möglicherweise vor 70 000 Jahren mit dem „Adam des y-Chromosoms“ abermals. (Mitochondrien sind genetisches Material außerhalb des Zellkerns, die nur in der mütterlichen Linie vererbt werden. Das y-Chromosom wird nur über die Väter vererbt. Beide Schritte sind umstritten, müssen noch modifiziert oder erhärtet werden.) Jedenfalls sind alle anderen Arten des homo außer dem h. sapiens ausgestorben. Alle lebenden Menschen haben die gleichen Mitochondrien und das gleiche y-Chromosom.

Stufen des Zusammenlebens

Wir leben mit Anderen zusammen. Mit Anderen der gleichen biologischen Art und anderen Arten. Wie die Arten selbst hat sich auch das Zusammenleben entwickelt.

  1. Isolation:  Einfachste Lebewesen leben unabhängig von einander. Wenn es Nahrung gibt, fressen sie, wenn nicht, stellen sie die Lebensfunktionen ein und warten auf bessere Zeiten. Die Hefe im Gärbottich ist das typische Beispiel.
  2. Spezialisierung: Höher entwickelte Lebewesen spezialisieren sich immer weiter auf besondere Nahrungsangebote, auf Nischen im Angebot (Charles Darwin). Das Leben verbleibt weiter an der Existenzgrenze. Schwankungen im Angebot müssen durch Anpassung der Zahl ausgeglichen werden.
  3. Aggression: In der nächsten Stufe der Entwicklung besetzen Individuen einen Lebensraum, in dem sie keine Individuen der gleichen Art dulden. (Konrad Lorenz: Wozu das Böse gut ist). Das Männchen sichert kampfbereit die Grenze seines Territoriums, in dem es genug Futter für ihn und seine Familie gibt Die Größe seiner Familie wird nicht mehr durch Hunger begrenzt, sondern durch die Größe des Lebensraums, den der Wächter zu verteidigen imstande ist. – Kämpfe an der Grenze werden durch ritualisiertes Verhalten entschärft, das verhindert, dass die eigene Art Schaden nimmt. –    Menschen   haben sich zunächst auch so verhalten: Fremden wurde mit Aggression begegnet (Kopfjagd). Alle Clans lebten an der Grenze der Tragekapazität. Sollte der eigene Clan überleben, mussten andere draußen gehalten werden. („notwendige Fremdenfeindlichkeit“). Nächstenliebe ist die menschliche Form der kulturellen Evolution, eine späte Idee des bewussten Lebens. (Bergpredigt, „Kultur ist Hemmung“)
  4. Zweiteilung des Verhaltens: Eine Möglichkeit, Fremden statt emotional-feindlich rational-freundlich gegenüber zu treten, bietet der Tauschhandel. Auf dem Markt begegnen sich Fremde (gegen die sie als Individuen der gleichen Art eigentlich aggressiv gestimmt sein müssten) freundlich. Beide suchen nach einem für sie günstigen Geschäft. Bernhard de Mandeville  und Adam Smith haben die Vorteile dieser Möglichkeit beschrieben. Das setzt die Zweiteilung des Verhaltens voraus: am Markt oder im Spiel suchen beide Partner egoistisch den eigenen Vorteil, außerhalb des Marktes verhalten sich altruistisch, helfen allen Artgenossen, übernehmen allmählich immer mehr Verantwortung für die weitere Entwicklung des Planeten Erde.

In allen Fällen bleibt der Wettbewerb zwischen den Arten und den Individuen erhalten. Viele halten den Wettbewerb für eine teuflische Erfindung des Menschen, aber er ist seit Anfang an die treibende Kraft der Evolution. Notwendig ist es freilich, den Wettbewerb in geordneten Bahnen zu halten: sozial und umweltfreundlich, gerecht und allen die gleiche Chance gebend. Das ist die kulturelle Leistung, die für segensreiche Anwendung des Wettbewerbs wesentlich ist. – In Notsituationen regrediert das Verhalten auf die nächstniedere Stufe.

Die Evolution geht weiter. Arten sterben aus und neue Arten entstehen. Folgt auf den homo sapiens der homo sapienter? (Friedrich Schaller)

In der individuellen menschlichen Entwicklung werden die Entwicklungsstufen nachvollzogen: das Baby lächelt zunächst allen Gesichtern zu. (Das soll lebenslang seine stärkste Waffe bleiben.) Bald „fremdelt“ es, lächelt nur mehr den persönlich bekannten Gesichtern zu, versteckt sich vor Fremden. Im Kreis der Familie fühlt es sich wohl, dort wird allen nach Bedarf gegeben. Mit dem Lernen von Spielen tritt eine neue Verhaltensweise hinzu: im Spiel darf der eigene Vorteil gesucht werden. Beim Mensch-ärgere-dich-Spiel lernt das Kind zwischen der Situation im Spiel (in der jeder seinen Vorteil sucht und man sich darüber nicht ärgern sollte) von der normalen sozialen Situation unterscheiden. Zwischen den beiden Situationen wird scharf unterschieden: wir geben uns am Ende des Spiels die Hand, zum Zeichen, dass nun die Wettbewerbssituation in der jeder seinen Vorteil sucht zu Ende ist, und nun wieder das soziale Füreinander herrscht.


*                               *                             *

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Bild 1.4: Die Bevölkerungszahl wächst in Schüben. Vor der Neolithischen Revolution (NLR), vor 10 000 Jahren, konnten in der aneignenden Wirtschaftsform Sammeln und Jagen global nur 10 Mio Menschen leben. Bis zum Beginn der Neuzeit (1500) verfünfzigfacht die Zahl auf 500 Mio. Mit der Entdeckung neuer Lebensräume vervierfacht sich bis 1800 die Zahl auf  2 Mrd. Seit dem Beginn der Industriellen Revolution, dem Verständnis der Bodenchemie, mit Kunstdünger und intensiver mechanischer Bodenbearbeitung, wird sich die Zahl noch einmal auf 10 Mrd verfünffachen. – Rechts sind die Zuwachsraten dargestellt. Vor der NLR 30 000 Jahre bis zur Verdopplung, um die Zeitenwende 100 000 pro Jahr, 1000 Jahre bis zur Verdopplung. Um 1970 fast 100 Mio pro Jahr, 50 Jahre für die Verdopplung. Nun scheint der Zuwachs rasch zu fallen. Der Grund dafür ist der statistische Zusammenhang zwischen der individuellen Wirtschaftsleistung (SBIP) und der Zahl der Geburten pro Frau. – Weil der Ernteertrag pro Hektar rascher steigt als die Bevölkerungszahl, nimmt bei gleichen Eßgewohnheiten die für Nahrung benötigte Fläche ab. (Alles runde Zahlen)

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Bild 1.5: Die Zahl der Geburten pro Frau (GpF) hängt offenbar mit der Wirtschaftsleistung pro Kopf und Jahr (SBIP) zusammen. Weil diese seit 50 Jahren mit 3-4 % pro Jahr steigt (sich seither versechsfacht hat), nimmt die Zahl der GpF kontinuierlich ab - Über der individuellen Wirtschaftsleistung SBIP in $ pro Kopf und Jahr ist die Zahl der Geburten pro Frau (GpF) für verschiedenen Länder aufgetragen. Für eine gleich bleibende Bevölkerungszahl sind mehr als 2 GpF erforderlich. Global war diese Zahl im Jahr 1965 noch 5, 2002 ist sie nur mehr 2.7, in der EU 1.34. Der Zuwachs der Erdbevölkerung dbev geht rasch zurück. In der EU ginge sogar die Bevölkerungszahl zurück, wenn es keine Zuwanderung gäbe und die Lebenserwartung nicht ansteigen würde. Für das Jahr 1999 ergibt sich die eingezeichnete Mittelwertskurve, die mit steigendem SBIP abfällt, ab 2700 $/c.a unter dem erforderlichen Minimum von 2 GpF liegt.

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Bild 1.6: Im Vergleich zum Bild 1.4 hat sich das Bild verändert. infolge des steigenden SBIP rücken die Länder nach rechts. Gleich bleibt aber der grundsätzliche Zusammenhang der fallenden Zahl der GpF mit dem SBIP. (PPP bezeichnet die kaufkraftbewertete Umrechnung der Wirtschaftsleitung purchasing power parity.)

Bis 2008 hat sich das Bild geändert: die Wirtschaftsleistung aller Länder ist gestiegen, die Zahl der Geburten pro Frau hat meist abgenommen. Ausnahme: USA. Pakistan und Bangladesch sind aneinander gerückt. – Die Ausnahmen sind erklärbar: Saudi Arabien ist reich trotz geringer erarbeiteter Wirtschaftsleistung, Uganda steckt im Bürgerkrieg, Nordkorea lebt in Unterdrückung.

Hans Rösler zeigt diese Diagramme dynamisiert in einem Video (Youtube).


Die Wirtschaftsleistung pro Kopf (SBIP) steuert alle Lebensumstände

Der deutliche Zusammenhang zwischen der Zahl der Geburten pro Frau (GpF) und der Wirtschaftsleistung pro Kopf (SBIP) kann weiter verfolgt werden. Es zeigt sich dabei, dass alle Lebensumstände mehr oder weniger eng vom SBIP bestimmt werden, Anhang A1.4.  Natürlich ist das kein Naturgesetz sondern nur eine statistische Aussage. Trotzdem kann für einen Zeitraum von ein paar Jahren eine Prognose gewagt werden, weil auch die Zunahme des SBIP selbst vom SBIP abzuhängen scheint: die Wirtschaftsleistung steigt bei mittlerem SBIP  ($/c.a) stark, bei kleinem und großem aber langsam. In den Ländern Brasilien, Russland, China, Indien (BRIC) rasch, in den Ländern Kongo, Nigeria usw  einerseits und den entwickelten Ländern andererseits aber langsam.




ANHANG

Anhang A1.1: Wahrnehmung von Raum und Zeit

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A1.1: Es macht keinen Sinn nach einer Länge zu fragen, die größer als der Alldurchmesser ist. Aber auch Längen, die kleiner als der Durchmesser eines Masseteilchens sind, machen keinen Sinn.

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 A1.2: Eine logarithmische Zeitskala auf heute bezogen liefert ein anschauliches Bild der Abläufe. - Über die Zukunft wissen wir außer ihrer Begrenztheit wenig und überhaupt nichts Sicheres.


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 A1.4: Exponentiellers Wachstum erschreckt uns: der volle Seerosenteich, der jede Woche die Zahl der Seerosen verdoppelt, war vor einer Woche halb voll. Was wird in einer Woche sein? Die logarithmischen Wahrnehmung macht aus den Exponentialkurven kongruente S-Kurven. In der Gegenwart scheint uns die Zeit nur sehr langsam zu vergehen. - Dieses Bild blickt im Jahr 3000 auf die Vergangenheit zurück. Gebilde, die im Jahr 2000 36% der Größe des Jahres 3000 haben, sind mit 0.1 % pro Jahr gewachsen.

 Im Alltag messen wir Längen in Meter (m), die Zeit in Sekunden (s) und die Masse in Kilogramm (kg). Abgeleitet davon sind die Dimensionen für Geschwindigkeit (m/s), Beschleunigung (m/s²), für Leistung (1 kW = 1000 Nm/s) und Energie (1 kWh =  3.6 106 Nm) - Manchmal sind Stunden und Kilometer praxisnäher: 1 m/s = 3.6 km/h. Dabei stellen wir fest, dass die Erde mit 100 000 km/h um die Sonne saust und die uns so still stehende Erdoberfläche sich infolge der Erdrotation mit bis zu 1000 km/h bewegt.

 Daneben sind aber viele andere Dimensionen üblich, die für Verwirrung sorgen.

Zum Beispiel für Energie, Arbeit oder Wärme                                                                                 1 erg= 1 eV = 1 dy cm =                                         4.45 10-26 kWh                                             1 J (Joule) = 1 Nm = 1 Ws =                                277.8   10-9 kWh                                               1 BTU (British Thermal Unit) =                             293     10-6 kWh                                                 1 bbl (Barrel) Öl  = 1584 (1500-1700)                 1500             kWh                                                 1 kg OE (Oil Equivivalent) =                                11.63            kWh                                                 1 kg SKE (Steinkohleneinheit) =                           8.141          kWh                                             1 kg Masse zerstrahlt (e = m c²)                          25            109 kWh


A 1.2 Bibel und Wissenschaft

Die Bibel beschreibt mit erstaunlicher Präzision das Entstehen der Welt.

Buch Moses, Genesis (vor 3200 Jahren):                                                                                  1,1: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde                                                                2,15-17: Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er           ihn bebaue und erhalte. Gott der Herr gebot dem Menschen: „Von allen Bäumen des Gartens darfst Du essen, nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst Du nicht essen; denn am Tage, da du davon isst, musst du sterben.“                                                                       2,21-22: Da ließ Gott der Herr einen Tiefschlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm ihm eine seiner Rippen verschloss deren Stelle mit Fleisch. Gott der Herr baute die Rippe, die er dem Menschen entnommen hatte, zu einem Weibe aus und führte es ihm zu.                3,6-7:  Da sah die Frau, dass der Baum gut sei zum Essen... Sie nahm von seiner Frucht, aß und gab auch ihrem Manne... Da gingen beider Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren.                                                                                                                                       3,13: Da sprach Gott der Herr zum Weibe: „Was hast du getan?“ Das Weib erwiderte: „Die Schlange hat mich betört, und ich aß.“                                      3,14-19: Da sprach Gott der Herr zur Schlange: „Weil Du dies getan hast, sei verflucht....“.Zum Weibe sprach er: „...Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären“: Zum Mann sprach er:“ Du hast...vom Baume gegessen, von dem zu essen ich dir streng verboten habe; darum soll der Ackerboden verflucht sein um deinetwillen; mühsam sollst du dich von ihm ernähren....Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verzehren.                                                    4,1-2: Der Mensch erkannte seine Frau Eva; sie empfing und gebar den Kain. Weiter gebar sie seinen Bruder Abel. Abel ward Kleinviehhirt, Kain ein Ackerbauer.                                            4,4: ...Der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe, aber auf Kain und sein Opfer sah er nicht.                                      4,8: Als sie auf dem Felde waren, stürzte sich Kain auf seinen Bruder Abel und erschlug ihn.

Stand der Wissenschaft 2010           Wenn gut das ist, was der eigenen Art nützt (Konrad Lorenz), dann war die Erfindung des Ackerbaus etwas Gutes. Aber die Menschen  empfanden (und empfinden) den Eingriff indie Natur als böse. - Verengung der genetischen Basis  vor 120 000 Jahren ? (Alle heute lebenden Menschen scheinen von einer einzigen Frau abzustammen („Eva der  Mitochondrien“). Mitochondrien sind genetisches Matereal außerhalb des Zellkerns das nur über die Mütter vererbt wird. - Neolithische Revolution vor 10 000 Jahren (Ackerbau und Viehzucht greift zwar in die Natur ein, ermöglicht aber eine viel dichtere Besiedlung) - Es gibt alles im Überfluss, aber nichts  umsonst. - Der Eingriff des Ackerbauers (der Mensch bestimmt wo was wachsen darf) ist sündhafter als das Hirten von Vieh? - Ackerbau ist nicht möglich, wenn Tierherden das Feld beweiden

Anhang A1.3 : Adam und Eva (Versuch einer Deutung)

 Bis vor 10 000 Jahren lebten die Menschen im Paradies: die unberührte Natur bot ihnen alles was sie brauchten.                                                                                                                      Der junge Bursche Adam und das mit ihm entfernt verwandte Mädchen Eva zogen mit ihrer Sippe durch die Täler des vorderen Orients. Sie lebten von dem, was sie jeden Tag neu sammelten. Die Sippe wanderte im jahreszeitlichen Rhythmus herum, hatte bevorzugte Plätze, wo sie länger bleiben konnte weil die Umgebung reichlich Nahrung bot. Ihr Lieblingsplatz bot Gräser, Strauch- und Baumfrüchte, Pilze am Hang, im Talgrund eine Palmengruppe mit süßen Datteln. Adam war ein geschickter Fallensteller, ein genauer Beobachter der Pflanzen und Tiere. Immer wieder versuchte er Tiere festzuhalten, Wasser dahin zu leiten, wo es zu trocken war, Pflanzen zu bestäuben. Sein Großvater, der alte, weise Mann, verbot ihm diese Eingriffe in die Natur. Gott habe allen Pflanzen und Tieren ihren Platz zugewiesen. „Willst Du sein wie Gott, dass Du in das eingreifst, was er geschaffen hat? Willst Du unterscheiden, was gut und was schlecht ist für die Pflanzen, Tiere und Dich selbst ist? Wenn Du in das Leben der Pflanzen eingreifst und ihre Früchte isst, wirst du abhängig von Deinem Eingriff. Du musst dann immer weiter arbeiten, verlierst das Leben im Paradies.“

 Aber Adam wollte das nicht einsehen und Eva bestärkte ihn darin: wenn es Adam gelungen war, durch das Bestäuben der zweihäusigen Dattelpalmen besonders große, schöne Früchte zu ziehen, Datteln so groß wie Äpfel, dann bot sie Adam die schönsten Früchte und freute sich mit ihm daran. Bis es dem Alten zu dumm wurde: Adam und Eva wurden ausgestoßen aus der Sippe, ausgeschlossen aus der Familie, an der sie mit Liebe hingen. Auch dem Alten dauerten die Kinder: er gab ihnen noch Kleider mit, die sie von den Unbilden des nahen Winters und auch den feindlichen Sippen rundum schützen sollten. Aber in der Sippe durften sie nicht länger bleiben und nie mehr zurückkehren. Die Wächter waren angewiesen sie zurückzutreiben wie Fremde.

 Adam und Eva nahmen ihr Los auf sich. Dem tüchtigen Adam gelang es seine Familie zu ernähren und auch Gleichgesinnte in die neue Sippe aufzunehmen. Alle waren sie Revoluzzer. Sie haben in Gottes Plan eingegriffen, der für alle Pflanzen und Tiere einen festen Plan vorgesehen hatte. Die Revoluzzer aber wollten, dass  d i e  Pflanzen wachsen sollen, die ihnen die beste Ernte versprachen, dass  d i e  Tiere sich vermehren sollten, von denen sie den größten Nutzen hatten. Natürlich waren sie nicht unbeeindruckt vom Fluch des Alten: sie hatten ein schlechtes Gewissen. Mehr noch die Ackerbauern als die Viehzüchter. Ihnen schien, der Ackerbau noch verwerflicher als die Viehzucht. Sie meinten dass Gott mit größerem Wohlgefallen auf die Opferfeuer der Viehzüchter sehe als auf die der Ackerbauern. Das konnten die Ackerbauern nicht verstehen. Wo doch die Viehzüchter dauernd ihre Tiere auf die Felder mit dem besten Futter treiben wollten, dahin, wo der Boden bearbeitet war, die beste Saat ausgebracht. Also entstand Streit. Der aufgebrachte Ackerbauer Kain erschlug den Viehzüchter Abel, der nicht einsehen wollte, dass er sein Vieh nicht da weiden sollte wo Kain seine Arbeit und das kostbare Saatgut investiert hatte. Der Streit zwischen den ansässigen Bauern und den viehzüchtenden Nomaden sollte noch Jahrtausende andauern. Auch noch nachdem die Ansässigen zugleich Ackerbauern und Viehzüchter geworden waren. Sie hielten ihre Tiere nun in Ställen und brachten ihnen dort das Futter. Noch mehr Arbeit. Der Fluch des Alten war eingetroffen: im Schweiße ihres Angesichts mussten sie für Nahrung sorgen. Denn sie waren so zahlreich geworden, dass nur intensive Landwirtschaft und Viehzucht sie ernähren konnten.

Warum hatten sie dieses Los nur auf sich genommen? War es nicht vorher viel schöner gewesen? Unbeschwert mit Kind und Kegel durch die Prärie zu ziehen, darauf vertrauend, dass Gott schon dafür sorgen werde, dass auch am nächsten Tag Nahrung gefunden wurde?


Anhang A1.4: Die Wirtschaftsleistung pro Kopf und Jahr, das SBIP (=spezifische Bruttoinlandsprodukt) steuert alle  Lebensumstände.

Wenn nicht anders angegeben ist die Wirtschaftsleistung mit Kaufkraftparität (KKP = PPP, purchasing power parity) umgerechnet. Das ist zwar willkürlicher als die Umrechnung mit Wechselkursen, aber diese schwanken täglich und sind auf andere Weise auch willkürlich.

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Bild A1.5: Über der Wirtschaftsleistung pro Kopf und Jahr ist das Bevölkerungswachstum in %/a aufgetragen. Dieses setzt sich aus der Zahl der Geburten und Sterbefälle und der Zuwanderung zusammen. Die Streuung ist zwar groß, der grundsätzliche Zusammenhang aber klar.


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Bild A1.6: Über der Wirtschaftsleistung pro Kopf und Jahr ist das Wirtschaftswachstum in %/a aufgetragen. Hier streuen die Werte weiter, aber der Trend ist unverkennbar. Stärkeres Wachstum bei mittlerer Wirtschaftsleistung pro Kopf

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Bild A1.7. mit steigender Wirtschaftsleistung pro Kopf verändert sich der Anteil der Erwerbstätigen in den Wirtschaftszweigen: zunächst sind fast 80 % in der Landwirtschaft beschäftigt,  dann immer mehr in der Industrie mit einem Maximum bei 2500 $/c.a,, dann immer mehr in den Dienstleistungen bis über 70 % .

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Bild A1.8: Mit der Wirtschaftsleistung pro Kopf steigt die Lebenserwartung auf Grund der besseren Umweltbedingungen und sanitären Versorgung-

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Bild A1.9: Die CO2-Emission nimmt mit der Wirtschaftsleistung zu, unterschiedlich in den USA und Russland einerseits und Europa und Japan andererseits.

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Bild A1.10: Erst die zunehmende Wirtschaftsleistung ermöglicht Wirtschaftshilfe.

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Bild A1.11: Die Friedfertigkeit ist zwischen 500 und 10 000 $/$,a kleiner als sonst. Bei kleiner Wirtschaftsleistung reicht das Geld nicht, mit der großen setzt sich die Erkenntnis durch, dass Kooperation die bessere Alternative ist.

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Bild A1.12: Das Verhältnis der großen zu den kleinen Einkommen verbessert sich mit steigender Wirtschaftsleitung.

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Bild A1.13: Der Personenverkehr gemessen in Personenkilometer pro Kopf und Jahr (Pkm/c.a) hängt eng mit der Wirtschaftsleistung zusammen.

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Bild A1.14: Erst mit steigender Wirtschaftsleistung nimmt der Wunsch nach freier Rede und gleichen Rechten für alle zu

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Bild A 1.15: Zusammenfassung verschiedener Lebensumstände in Abhängigkeit vom SBIP: die Friedfertigkeit ist zwischen 500 und 10 000 $/c.a geringer, die Bevölkerungszunahme bei 1000 $/c.a am größten, die Erwerbstätigen wechseln von der Urproduktion in die Dienstleitung, der Bedarf an fossilen Energieträgern nimmt zu, die Schadstoffkonzentration erreicht bei verschiedenen Wirtschaftsleitungen ihr jeweiliges Maximum, der Flächenbedarf für Nahrung nimmt ab, der für Wohnen und Verkehr (Autobahn und Schnellstraßen)  nimmt zu.


Versuch einer Extrapolation

Nimmt man an, dass die hier gezeigten Relationen für einige Jahre beibehalten werden, so kann eine Prognose gewagt werden, die freilich wie alle mit der Zeit immer ungenauer wird.

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Bild A1.16: Für 50 im Jahr 2000 gleich große Bevölkerungsgruppen von je  120 Millionen Menschen sind die im einliegenden Bild gezeigten Annahmen bezüglich Bevölkerungswachstum dbev und Wirtschaftswachstum dbip angenommen (siehe Bild A3.1und .2). Damit ist gerechnet wie sich die Bevölkerungszahl und die Wirtschaftsleistung pro Kopf und Jahr bis zum Jahr 2020 und 2040 verändern. Im Diagramm ist über der globalen Bevölkerungszahl das durchschnittliche SBIP aufgetragen, wobei die einzelnen Ovale angeben, wie groß die Bevölkerungszahl der betreffenden Gruppe ist (horizontale Achse) und wie groß ihr SBIP ist (vertikale Achse), Die Fläche der Ovale ist damit der Wirtschaftsleistung dieser Bevölkerungsgruppe proportional. – Man erkennt die starke Zunahme des SBIP der Bevölkerungsgruppen die im Jahr 2000 ein SBIP von 1000 $/c.a hatten. Sie vergrößern bis zum Jahr 2040 die Bevölkerungszahl um 50 % und verfünffachen ihr SBIP.



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Bild A1.17: Auch auf die Zahl der Verkehrstoten je Einwohner hat das SBIP einen eindeutigen Einfluss. Obwohl mit dem SBIP auch die Transportleistung steigt, sinkt die Zahl der Verkehrsopfer.


Anhang A 1.5  Gesamt-Erleben

Wir streben danach möglichst viel zu erleben. Erfolg bei Spiel und im Beruf, Begegnung mit attraktiven Leuten, Reisen, Rauchen, Drogen steigern unsere Erlebnisintensität. Oft ist es eine Tauschrelation zwischen größerer Erlebnisintensität und geringerer zu einer späteren Zeit. Ich weiß z.B., dass Rauchen mein Leben wahrscheinlich verkürzt. Trotzdem rauche ich, weil es ein angenehmes Erlebnis ist. Ich fahr auch gerne Schi, bin mir aber bewusst, dass ich damit das Risiko einer Verletzung eingehe, die sich negativ auf mein Erleben in Zukunft auswirken kann. Wenn wir strafen wollen, nehmen wir dem Delinquenten die Information und damit das Erleben weg: Verbannung, Einsperren, Dunkelhaft.  - Diese Tauschrelation ist auch ein Thema der Klassik: Jeanne d´Arc weiß, das sie ihre Begabung verliert, wenn sie sich verliebt. Trotzdem tut sie es, denn „ein Augenblick im Paradies, wird mit dem Tode selbst zu teuer nicht bezahlt“, lässt sie Friedrich Schiller sagen. Und Goethes Faust meint zum Augenblick „verweile doch, du bist so schön“, obwohl er weiß, dass er damit im  Pakt mit Mefisto verliert.

In Bild A1.18 ist die fiktive Erlebnisintensität eines Menschen aufgetragen. Pränatal wird auch schon etwas sein. Nach der Geburt jedenfalls nimmt die Erlebnisintensität rasch zu, erreicht mit der jungen Liebe, dem Glück in der Familie ein Maximum um im Alter abzufallen und mit dem Tod zu enden. Ich behaupte, dass alle Menschen versuchen das Erleben, also das Produkt aus Erlebnisintensität und Lebenszeit zu maximieren. Die Fläche unter der Kurve in Bild A1.18 ist also ein Maß für das Erleben dieses fiktiven Menschen.

Wenn man nach dem Gesamterleben aller Menschen fragt, so ist es die Summe dieser Flächen, ein Volumen. Es ist umso größer, je mehr Menschen leben und je mehr sie erleben. Das Gesamt-Erleben zu maximieren kann als irdisches Ziel der Menschheit gesehen werden.  (Niemandem bleibt es verwehrt auf irdisches Erleben zu verzichten wenn erhofft, damit zu einem Erleben nach dem Tod zu erlanegen.)

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Bild A 1.18: Erlebnisintensität über der Lebenszeit aufgetragen.